Ola Gjeilo gehört einer jungen Generation von Komponisten an, die sich der stilistischen Vielfalt zu Beginn des 21. Jahrhundert weit geöffnet hat. In der Sunrise Mass vereint er schlichte Melodik, mit Dissonanzen angereicherten Harmonien und minimalistischen Begleitmustern im Orchester zu einem harmonischen Zusammenklang, der nichts mit der experimentierfreudigen Avantgarde zu tun hat. Gjeilo selbst zu seiner Musikanschauung: „Ein grosser Teil der Kunst hat das Publikum eine Zeitlang vertrieben. Ich glaube, was die Menschen von Natur aus unwillkürlich empfinden wollen ist Transzendenz, Lösung und das Gefühl von Erlösung, Freude und Frieden, welches das Auflösen von Zwietracht bringen kann.“
Sunrise Mass war 2007 eine Auftragsarbeit für eine Gemeinschaftsproduktion
norwegischer Chöre. Als ihm dieser Auftrag übertragen wurde, hatte er schon den starken Wunsch, eine Messe zu komponieren. In der Sunrise Mass bevorzugt Gjeilo die Klänge die den Chor und das Orchester verbinden. Er nennt ihn den ultimativen Klang.
Gjeilo hält sich für einen „sinfonischen“ Komponisten, insofern er auf einen grossen Orchesterklang abzielt, wie klein das ausführende Ensemble auch sein mag. Für die Chormusik bedeutet dies auch, dass die Musik letzten Endes wichtiger ist als der Text. Aber er geht von einem spirituellen Ansatzpunkt ans Komponieren und möchte universelle und humanistische Erfahrungen in der Musik gleichermassen ausdrücken.
Während Gjeilo die Bedeutung des lateinischen Textes respektvoll vertont, zeigt sich seine Gesamtvorstellung des Werks in den Satzbezeichnungen, die nur lose mit der lateinischen Bedeutung in Beziehung stehen. So lässt er die Struktur ausserhalb des Textes erkennen: eine metaphysische Reise vom Himmel zur Erde. Seine Interpretation der Messe vollzieht sich in verschiedenen Klangräumen.